DIE COVID-19-GROTESK

DIE REGIERENDEN

drucken das, was sie uns vorschreiben oder mitteilen wollen, in Groteskschriften. Das sind die ohne Schnörkel, ohne Strichlein an den Buchstabenenden, nicht dünn, nicht schmal, nicht breit, nicht riesig, aber allzu oft doch viel zu klein. Und ist wirklich etwas wichtig, ist es fett oder rot. Den Drucksachen und Schildern sieht man nicht an, was darinsteht. So sind wirs seit Jahren gewohnt – jedenfalls in Berlin. Das Berliner Corporate Design sieht seit 2012 die Schrift BMFChange Sans vor.

DIE REGIERTEN,

allen voran die Geschäftsinhaber, sind gehalten, ihre eigenen Direktiven zu drucken: die Ausführungsbestimmungen der eben erlassenen Kontaktbeschränkungen in der Pandemie.

HIER HERRSCHT GROTESK. Grotesk an allen Türen. Wo Ministerien und Wirtschaftsverbände Behördenernst auf Plakatvordrucken liefern, wundert das wenig. Es wundert auch nicht, dass Corona mit großen Teilen der Wirtschaft auch die Werbung geschluckt hat. Doch seltsam: Die letzte Werbung, die noch an Straßen- und Schienenstrecken klebt, hat sich dem „offiziellen“ Schriftgebrauch anverwandelt. Hohl glotzen ihre Lettern, wenn sie so groß sind und fast nichts sagen.

 

DER NACKTE ERNST der Behörden-Schrift griffe um sich – wäre er nicht an den Läden auf kleinste Formate beschränkt. Komplizierteste Bestimmungen klemmen sich zwischen die Werbeschildchen von einst und gehen dort unter, wo sauber geputzte Scheiben ganz anderes reflektieren.

DOCH

PIKTOGRAMME und EMOJIS

retten die Stimmung, wo dem grotesken Charakter der Worte nicht zu trauen ist.